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Geschichte

Das Faximile des Dokuments mit Informationen über den Ausbau des ersten Kraftwerks in Mazedonien

EVN Macedonia ist ein Unternehmen der österreichischen EVN Gruppe. Firmensitz der Muttergesellschaft EVN AG ist Maria Enzersdorf, Niederösterreich. Im Jahr 2006 kaufte die EVN AG 90% der Anteile an der damaligen ESM AD von der Republik Mazedonien. Die restlichen 10% blieben in staatlichem Eigentum. Die Hauptaufgabe von EVN Macedonia besteht im Verteilnetzbetrieb und der Versorgung von ungefähr 800.000 Kunden auf dem ganzen Staatsgebiet mit elektrischem Strom. Die Gesamtlänge des Leitungsnetzes beträgt rund 25.000 km. EVN Macedonia besitzt darüber hinaus 11 Wasserkraftwerke mit einer durchschnittlichen Jahreserzeugung von über 150 GWh.

Die Elektrifizierung Mazedoniens in den Jahren 1909-1944

Das erste elektrische Licht in Mazedonien leuchtete im Jahr 1909 in Skopje auf. Der Strom wurde in einem kleinen Dampfkraftwerk erzeugt. Damals war Mazedonien noch ein Teil des Osmanischen Reichs.

 


Das erste Kraftwerk in Mazedonien

 

Als Folge des Zweiten Balkankriegs fiel Mazedonien 1913 an das Königreich Serbien. Die Balkankriege und der erste Weltkrieg verzögerten die Elektrifizierung, die jedoch ähnlich wie auch in Österreich in den 1920er Jahren intensiv fortgesetzt wurde, wobei die Initiative von den Städten und von privaten Investoren ausging. Nach der Elektrifizierung von Skopje wurde Bitola im Jahr 1924 elektrifiziert und bis 1930 folgten die Städte Tetovo, Veles, Kumanovo, Stip, Kriva Palanka, Gevgeljia, Vinica und Kocani. In den folgenden Jahren bis 1935 erhielten die Städte Gostivar, Ohrid, Strumica und Probistip eine Stromversorgung.
Zu dieser Zeit wurde der Strom überwiegend in kleineren Wasserkraftwerken erzeugt, es hat aber auch einige Diesel- und Kohlekraftwerke gegeben.
Die bedeutendsten Erzeugungsanlagen, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, sind die Wasserkraftwerke Pena und Matka. Das nahe Tetovo gelegene Kraftwerk Pena mit einer Leistung von 1.760 kW wurde 1927 von einer privaten Investorengruppe erbaut. Es wurde mit der ersten Hochspannungsübertragungsleitung Mazedoniens mit Skopje verbunden und hat damit einen ähnlichen historischen Stellenwert wie das Kraftwerk Wienerbruck in Niederösterreich mit seiner Übertragungsleitung nach St. Pölten. Das 1938 in Betrieb genommene Speicherkraftwerk Matka am Fluss Treska war mit einer Leistung von 4.160 KW das größte Wasserkraftwerk Mazedoniens dieser Zeit.

 


Ausbau des Damms Matka

 

Nach dem Angriff der Achsenmächte auf Jugoslawien besetzte Bulgarien den Großteil des jugoslawischen Mazedoniens. Ein Teil des Landes wurde von deutschen und italienischen Truppen besetzt. Die kommunistischen Partisanen Jugoslawiens anerkannten die Existenz einer eigenständigen mazedonischen Nation im Jahr 1943. Im Sommer 1944 befreiten die Partisanen bzw. die Soldaten der jugoslawischen Volksarmee Mazedonien, das zur jugoslawischen Teilrepublik erklärt wurde.
Im letzten Kriegsjahr betrug die Jahreserzeugung aller Kraftwerke 14.200 MWh mit einer installierten Leistung von 9.600 KW.

Entwicklung der Elektrizitätsversorgung 1945-2005
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das „Föderale Elektrizitätsunternehmen für Mazedonien“ (FEP) gebildet, welches für alle elektrischen Energieressourcen in Mazedonien verantwortlich war. Die früheren städtischen Elektrizitätswerke und Versorgungsnetze wurden vom neuen einheitlichen Unternehmen übernommen. Der Namen des staatlichen mazedonischen Elektrizitätsversorgers wurde im Laufe der Zeit mehrmals geändert. 1954 erfolgte eine Umbenennung auf Elektrostopanska zaednica na Makedonija, 1966 eine neuerliche Namensänderung auf Elektro Macedonia und 1990 die Umbenennung in AD Elektroskopanstvo na Makedonija (AD ESM).

 


Parade in Skopje für den 1 Mai

 

In der Nachkriegszeit galt es zunächst die beschädigten oder ganz zerstörten Anlagen instand zu setzen. Diese schwierige Aufgabe bewältigte FEP mit staatlicher Unterstützung und mit tatkräftiger Hilfe der Bürgerinnen und Bürger Mazedoniens. Gleichzeitig wurde die Elektrifizierung vorangetrieben, so dass nach und nach in allen Städten und Dörfern Strom zur Verfügung stand, wodurch das Alltagsleben wesentlich erleichtert wurde. Das Verteilnetz, die Trafostationen und anderen Anlagen sind systematisch und mit viel Einsatz ausgebaut worden, um den wachsenden Strombedarf von Industrie und Haushalten zu befriedigen.
Die bedeutendsten Erzeugungsanlagen in Mazedonien, die bis zur Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit errichtet wurden, sind (Jahr der Inbetriebnahme):

  • Wärmekraftwerk Madzari (1949)
  • Wasserkraftwerk Mavrovo (1957)
  • Wasserkraftwerk Globocica (1965)
  • Wasserkraftwerk Tikves (1968)
  • Wasserkraftwerk Spile (1969)
  • Wärmekraftwerk Negotino (1978)
  • Wärmekraftwerk Oslomej (1980)
  • Wärmekraftwerk Bitola, direkt am Kohlebergbau (1982)

Die in den Jahrzehnten bis zur Unabhängigkeit aufgebauten Elektrizitätsversorgungsanlagen waren in das jugoslawische Netz eingebunden. Nach dem Zerfall der jugoslawischen Föderation und der Erklärung der Unabhängigkeit der Republik Mazedonien wurde auch die Verbindung mit dem Hochspannungsnetz Restjugoslawiens zeitweise unterbrochen. Die Versorgung der mazedonischen Stromkunden konnte dennoch weitgehend störungsfrei fortgesetzt werden, weil mit dem Großkraftwerk Bitola, das rund 70% des mazedonischen Elektrizitätsbedarfs abdeckt, ausreichende Erzeugungskapazitäten zur Verfügung standen.
Zur Vorbereitung der Privatisierung wurde das vormals voll integrierte Stromunternehmen Elektrostopanstvo na Makedonija (AD ESM) nach den traditionellen Wertschöpfungsstufen des Stromsektors Stromerzeugung, Übertragung und Stromverteilung in vier unabhängige Unternehmen aufgeteilt. Zunächst wurde 2004 der staatliche Übertragungsnetzbetreiber, Makedonski elektro prenosen sistem operator (MEPSO) herausgelöst. Im Jänner 2005 folgte die Abspaltung des Erzeugungsbereiches. Ausgegliedert wurden dabei zwei Stromerzeuger: AD Eleketrani na Makedonija (ELEM) als größter Energieproduzent Mazedoniens sowie AD TEC Negotino mit einem Wärmekraftwerk. AD ESM blieb weiterhin für den Betrieb der Stromverteilernetze und die Betreuung der Endkunden zuständig. Im Dezember 2005 wurden 90 % an AD ESM in einem öffentlichen Verfahren ausgeschrieben. EVN AG erhielt dafür den Zuschlag.

Von ESM zu EVN Macedonia

 

 

Bei ESM wurde im Jahr 2006 organisatorisch eine Trennung zwischen einer dezentralen Außenorganisation (Kundenzentren) und den zentralen Abteilungen umgesetzt. Die 19 neuen Kundenzentren (vormals 28) sind für ihre Region jeweils umfassend für Neuanschlüsse, Kundenbetreuung, Instandhaltung und Servicefunktionen verantwortlich. Der Ausbau wurde in Mazedonien nach dem Vorbild der EVN Gruppe in Niederösterreich bis Ende 2008 vollzogen. Ein neues Customer Relations Center bietet der Bevölkerung 24 Stunden für Anfragen in mazedonischer und albanischer Sprache zur Verfügung. Die zentralen Abteilungen haben planerische, konzeptionelle oder regionsübergreifende Aufgaben, wie z.B. im Einkauf, bei der Großkundenbetreuung oder im Rechnungswesen. Im Integrationsprozess wurden über 1.400 Mitarbeitende aus der Außenorganisation den 21 neuen zentralen Abteilungen zugeordnet und von Integrationsteams der EVN begleitet. Dabei wurden auch die EVN Standards in Bezug auf Zählerwesen, Kundenverrechnung, Netzkontrolle, Netzverluste, Investitionsplanung, Rechnungswesen, Bankwesen, Controlling etc. eingeführt. Qualität und Service stehen im Mittelpunkt.
Technische Stromverluste konnten durch Investitionen in das Verteilnetz und den Bau neuer Umspannwerke verringert werden. Die traditionsreichen Wasserkraftwerke, darunter Matka und Pena, wurden grundlegend modernisiert. Durch große Investitionen, eine moderne Organisation und die durchgehende technische Modernisierung im Energiebereich haben sich das Aussehen und die Außenwirkung des Unternehmens gewandelt. Im Dezember 2007 wurde das Unternehmen in EVN Makedonija AD (EVN Macedonia) umbenannt. Die neue Marke EVN Macedonia hat binnen kurzer Zeit hohe Bekanntheit erzielt und ist zu einem Sinnbild für ein modernes Unternehmen in der Republik Mazedonien geworden. Für diese Leistungen wurde EVN Macedonia mit mehreren Anerkennungen und Preisen ausgezeichnet.
Mit der erfolgreich umgesetzten Reorganisation hat EVN Macedonia eine solide Grundlage für die Verwirklichung der gesetzten Ziele und für die Arbeit an zukünftigen Herausforderungen geschaffen.